Gotha P60 C vom Februar 1945


Als die Technische Luftrüstung im Rahmen der Arbeiten am P60 die Gothaer Waggonfabrik
in die Planungen für den zukünftigen Nachtjäger einschaltet, entschließt sich
Chefkonstrukteur Hünerjäger, das Konzept und den konstruktiven Aufbau
des schweren Jägers grundsätzlich beizubehalten.
 


Die Projektingenieure gestalten den Raum für die Besatzung völlig neu.
Pilot und Funkmeßbeobachter sitzen fast völlig aufrecht in Tandemordnung in einer Druckkabine. Dadurch läßt sich das Zielsuchradar problemlos im Rumpfbug unterbringen. Noch eine weitere Maßnahme wird durch den Anbau des FuG 240 notwendig: nachdem Einbußen hinsichtlich der Längsstabilität nicht auszuschließen sind, setzen die Projektingenieure zwei Seitenleitwerke auf die Hinterkante des Außenflügels. Auch bei Gotha sollen diese Leitflächen, ähnlich der Arado-Lösung, zusätzlich die Aufgaben von Grenzschichtzäunen an der empfindlichen Stelle zwischen den Rudern übernehmen.
 


Als die erweiterten Forderungen im März 1945 ein drittes Besatzungsmitglied notwendig machen, findet Gotha für die P60 C eine ungewöhnliche Lösung: Navigator und Funkmeßbeobachter sind in halbliegender Position unter einer Glasabdeckung in der Flügelkontur
(links und rechts vom Piloten) untergebracht.
Mit einem Treibstoffvorrat von 4000 kg erzielt diese Ausführung eine maximale rechnerische
Flugdauer von 3,55 Std.
 

TECHNISCHE DATEN:


Sämtliche Angaben aus Gotha-Werksunterlagen.

Besatzung
Pilot und Funker auf Katapultsitzen in Druckkabine.

Antrieb
2x Heinkel He S 011 mit je 1300 kp Standschub, ober- und unterhalb des Mittelflügels;
der Anbau von Startraketen ist vorgesehen.

Abmessungen
Spannweite: 13500 mm,
Pfeilung: 45° in 0,25 Flügeltiefe
Tragflügelfläche: 54,7 m2, Streckung: 3,3
Länge über alles: 10.900 mm
Größte Höhe: 3.500 mm
Gewichte
Rüstgewicht: 5.346 kg
Fluggewicht: 10.470 kg mit 3.500 kg Treibstoff
max. Flächenbelastung: 192 kg/m2
Flugleistungen
Höchstgeschwindigkeit: 930 km/h in 8 km Höhe
Anfangssteiggeschwindigkeit: 17,5 m/sek
Dienstgipfelhöhe: 13.300 m
Steigzeit
auf  6 km Höhe: 7,7   min
auf 12 km Höhe: 24,4   min
max. Flugdauer: 2,82 Std. in 13 km Höhe mit 100% Schub
max. Flugstrecke: ca. 2200 km
Startrollstrecke: 1.020 m

Militärische Ausrüstung
Bewaffnung: 2x2 MK 108 oder Mk 213, Kal. 30 mm,
rechts und links vom Besatzungsraum in der Mittelflügelnase,
zusätzlich:
2x MK 108 oder MK213, Kal. 30 mm, als Schrägbewaffnung im Flügelmittelstück.

Funktechnische Ausrüstung
FuG 280, FuG 355, FuG 244, FuG 101, FuG 139, FuG 120 K, FuG 130,
FuG 25a, Fu Bl 3, Ei V 125

Das Gotha P60 C erscheint im März 1945 den Gutachtern mit seinem einfachen Aufbau aus noch verfügbaren Materialien, der relativ niedrigen Flächenbelastung und der neuartigen Aerodynamik für eine Weiterbearbeitung geeignet.
Nach der Kapitulation verschwinden die Pläne für dieses revolutionäre Flugzeug in der Versenkung, bzw. werden von den Allierten erbeutet und für deren flugtechnische Entwicklung  weiterverwendet.