Heinkel-HE-280 V2 (Illustration)


Anfang 1939 erteilte das Technische Amt an Heinkel und Messerschmitt Entwicklungsaufträge für die ersten Düsenjäger, wobei Heinkel einen Vorsprung durch seine eigene Strahlturbinen-Entwicklung hatte und die He-280 vor der Me-262 zum Fliegen kam. Die He-280 wurde aber dann im Frühjahr 1943 zugunsten der Me-262 von Erhard Milch gestoppt. Heinkel und Messerschmitt hatten sich für ein zweistrahliges Flugzeug entschlossen, da einmal die Schubleistung der neuen Strahltriebwerke noch recht mäßig war und sie zum anderen die Betriebssicherheit vorerst nicht sehr hoch einschätzten.
 

Landung der He-280 V2 nach dem Erstflug am
30. März 1941


Die Heinkel He-280 ist ein Entwurf von Dipl.-Ing.Robert Lusser, der am 1. Juni 1939 von Messerschmitt als Technischer Direktor zu Heinkel kommt. Er übernimmt das Aufgabengebiet von Professor Dr.-Ing.Heinrich Hertel, der zu den Junkers-Werken nach Dessau wechselt. Lusser kennt bestens die Me-262, die bei Messerschmitt entwickelt wird, und will ihr mit einem neuen Heinkel-Flugzeug zuvorkommen. Unter größter Geheimhaltung beginnt er mit den ersten Projektarbeiten für einen zweistrahligen Jäger, wenig später werden zwei Entwürfe als Attrappen unter der Bezeichnung He-180 gebaut.
Einsitziger Mitteldecker in Schalenbauweise mit Doppelseitenleitwerk und Bugrad-Fahrwerk nach einem Entwurf von Dipl.-Ing.Robert Lusser. Gerade Tragfläche ohne Pfeilung mit mehrteiligen Landeklappen. Umschaltbare Steuerung für Schnellflug, bei gleichen Steuerausschlägen kleinere Ruderausschläge, weiter hydraulisch betätigte taktische Luftbremsen. Die He-280 wird als erstes Flugzeug in der Geschichte der Luftfahrt mit einem durch Preßluft angetriebenen Schleudersitz ausgerüstet, desgleichen findet bereits in der Konzeption der spätere Einbau einer Druckkabine Berücksichtigung. Da die Strahlturbinen nicht rechtzeitig zur Verfügung standen, erfolgte das Einfliegen mit Triebwerksattrappen im Herbst 1940 im Schleppflug. Den ersten Flug mit eigenem Antrieb führte Dipl.-Ing.Flugkapitän Fritz Schäfer mit der V-2 am 30. März 1941 aus. Der Flug dauert nur drei Minuten und löst im ganzen Heinkel-Werk großen Jubel aus.
 

  He-280-V3 bei einer Flugvorführung.


Wenige Tage später, am 5. April 1941, startet Paul Bader zu einem Vorführungsflug vor Ernst Udet und den Spitzen des RLM. Der Vorführungsflug hinterläßt bei allen Anwesenden einen guten Eindruck, aber Bader hat auch die Triebwerke nicht geschont. Nach dem Ausrollen nach der Landung sitzen bei beiden Triebwerken die hinteren Turbinenlager fest. Das wird aber von niemandem bemerkt, weil das Flugzeug sofort mit dem Traktor zur Halle geschleppt wird. Am 17. Dezember 1942 wird in Marienehe vor Vertretern des RLM ein Luftkampf zwischen der He-280 V3 und einer Fw-190 simuliert, um die Überlegenheit des Strahlflugzeuges über das Flugzeug mit Kolbentriebwerk zu beweisen. Bei der Demonstration versucht der Pilot der Fw-190 immer wieder, sich hinter die He-280 zu setzen, aber Schäfer (der Pilot der He-280) kann das durch schnelles Fliegen in Kreisen mit großem Durchmesser um die Fw-190 herum verhindern. Dabei ergibt sich ab und zu Gelegenheit, mit hoher Geschwindigkeit direkt auf die Fw-190 zuzustoßen und an ihr vorbeizuschießen, ohne daß sie dem Strahlflugzeug folgen kann. Nach der Vorführung des Flugzeuges, will das RLM will 300 Flugzeuge des Typs He-280 in Auftrag geben.
1942 beginnen die Versuche die He-280 mit Argus-Schubrohren. Hier geht es aber gar nicht um die He-280, sondern vielmehr um die Erprobung der As 014 für die Fi-103, die Vergeltungswaffe V-1. Die Pulso-Strahltriebwerke, die sehr heiß werden und einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugen, werden zu je drei Stück unter dem Tragflügel aufgehängt. Am 13. Januar 1943 in Rechlin beim Start der He-280 V1 im Schleppflug hinter zwei Me-110 wird so viel Schnee aufgewirbelt, daß die Schleppkupplung der He-280 vereist und das Seil nicht ausgekuppelt werden kann. Pilot Schenk (von der Firma Argus) wackelt mit den Tragflächen, daraufhin klinken die Schleppflugzeuge die Seile aus. Mit den Seilen am Bug hängend wagt Schenk aber nicht zu landen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Luftfahrt katapultiert sich ein Pilot mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug. Schenkt landet unverletzt. Die He-280 V1 aber geht dabei verloren.
 

 Die Triebwerke He S 8A ohne Verkleidungen.
 


Am 27 März 1943 teilt Erhard Milch, Generalinspekteur der Luftwaffe, Ernst Heinkel mit, daß die He-280 zugunsten der Me-262 vom Entwicklungsprogramm abgesetzt worden ist, da man sich wegen der Kriegslage keine zwei Konkurrenzflugzeuge leisten könne.
Insgesamt sind 9 Maschinen gebaut worden.
 

Fritz Schäfer in der He-280 V3 nach einem Routineflug.

Technische Daten:


Hersteller: Ernest Heinkel
Typ: Abfangjäger
Antrieb: zwei 840 kg Düsentriebwerke Junkers Jumo 00A
Maße: Spannweite: 12 m;
Länge 10.20 m;
Höhe 3.19 m
Gewichte: Leergewicht 3.350 kg;
               beladen 5.200 kg
Leistung: Höchstgeschwindigkeit 817 km/h;
Flugstrecke: 615 km