Die V2 (Aggregat 4) - der Urahn aller ballistischen Fern- und Weltraumraketen.


Die A4 (V2) war 14 m lang, startbereit knapp 13 t schwer.
Die Sprengladung wog etwa 975 kg.
Die Schubleistung des Raketenmotors betrug 650.000 PS,
die Brenndauer 65 sec., die Geschwindigkeit 5 600 km/h.
Nach Jahren der Entwicklung gelang am 03. Oktober 1942 der erste erfolgreiche Start
einer A4 vom Prüfstand VII in Peenemünde.
In 296 Sekunden flog das Gerät 190 Km weit in die Danziger Bucht.
Die Gipfelhöhe betrug 84.5 Km, die Geschwindigkeit 1.340 m/sec.
Trotz einer Reihe von Fehlschlägen konnten die Probleme beseitigt und die Rakete
weiterentwickelt werden.
 


Mit der Fernrakete A4 (V2) verfügte das Heer seit Sommer 1944 über eine revolutionäre strategische Waffe mit fast 400 km Reichweite. Die Fernrakete war mit dem sog. Meilerwagen (Transport- und Startlafette) sehr mobil und konnte in kürzerer Zeit schußbereit gemacht werden. Die Raketenbatterien waren schwer zu lokalisieren. Die Treffsicherheit der V2 war auf größere Distanz besser als die der V1. Aber die Wirkung mit dem konventionellen Sprengkopf war begrenzt. Die A4 oder V2 war die erste „echte“ Weltraumrakete. Mehrstufige Weiterentwicklungen der Rakete hätten transatlantische Zielpunkte (USA-Ostküste) erreichen können. Die A4 war auch als schiffsgestützte Waffe (große U-Boote oder Raketenschiffe) einsetzbar. Eine bemannte Rakete als „Präzisionswaffe“ gegen Primärziele (Flugzeugträger, Großkraftwerke usw.) war angedacht. Weitere Entwicklungen von Fernkriegsmiteln gingen zu Raumgleitern („Sänger“-Projekt) und sollten aus dem Weltraum die USA angreifen.
 

Einsatzbereite A4-V2
in Tarnbemalung.
Links im Mittelbau “Dora”,
rechts vor dem Abschuss.


Abschussliste.


Das Aggregat 4 war die erste ballistische Großrakete die in einem Krieg eingesetzt wurde. Zu Anfang gab es enorme Schwierigkeiten mit Brennkammer und Treibstoffpumpen, auch die Flugsteuerung war noch in den Kinderschuhen. Auch gab es bis dahin keine Pumpe die 185 Grad kalten Sauerstoff mit sehr starkem Druck pumpen konnte. Die ganzen Schwierigkeiten wurden bis Anfang 1942 beseitigt, der erste erfolgreiche Start war am 3. Oktober 1942. Bis zum 9. Juli 1943 erfolgten weitere 31 Versuchsabschüsse, dann ging das Muster in die Serienfabrikation, hauptsächlich im Mittelbau Dora.
 

Bis zum Beginn der Massenabfeuerung im September 1944 wurden ca. 12.000 A 4 fertiggestellt. Jede erforderte einen Aufwand von 12.950 Arbeitsstunden und kostete 38.000 RM. Angetrieben wurde die Rakete von flüssigem Sauerstoff und Alkohol- Wassergemisch, das Triebwerk leistete einen Schub von 27.500 kp bei einer Brenndauer von 68 Sekunden. Der Start erfolgte senkrecht, freistehend von einer Abschussplattform und Abschusswagen (Meilerwagen).
Die Steuerung erfolgte über eine automatische Kreiselkurssteuerung, die Nutzlast (Sprengstoff) betrug ca. 1.000 kg. Desweiteren liefen Planungen die V2 von U-Booten Typ XXI abzuschießen. Die Arbeiten an den dafür nötigen schwimmfähigen Abschussrampen auf der Schichau-Werft in Elbing, waren fast fertig, als der Krieg zu Ende war. Geplant war, die amerikanischen Küstenstädte zu beschießen.


Auszug aus einer Gerätebeschreibung des Heeres von 1942:

Die Fernrakete A4 / V2 ist ein ballistisches Fernlenkgeschoss, welches sich durch Eigenantrieb durch die Verbrennung von flüssigen Treibstoffen fortbewegt.
Die Schussweite wird von der Brenndauer des Antriebes bestimmt.
Die Richtung wird dem Geschoß durch eine vorher eingestellte Steuerapparatur verliehen, die in Sonderfällen durch Fernlenkung unterstützt werden kann.
 

TECHNISCHE DATEN:

 

Maße:
Länge der Nutzlastspitze 2010 mm
Länge des Geräteraumes 1410 mm
Länge des Mittelteils 6215 mm
Länge des Hecks 4401 mm
Gesamtlänge des A4 14036 mm

Kaliber 1631 mm
Länge der Flossen .3935 mm
Durchmesser über Flossenaussenkante 3564 mm
 
Gewichte:
Nutzlast 750 Kg
Antriebsblock 931 Kg
Gesamtgewicht (leer) 4000 Kg
Gesamtgewicht (vollgetankt) 12700 bis 12900 Kg
 
Weiten und Zeiten:
Schußweite ca. 300 Km
Gipfelhöhe ca. 80 Km
Flugzeit ca. 320 Sek.
Auftreffgeschwindigkeit ca. 800 m / Sek.
Höchstbeschleunigung 6 g




Abschussliste:

Detailfotos der V2 / A4

Der B-Behälter dient zur Aufnahme des B-Stoffes. Er befindet sich in der oberen Hälfte des Mittelteiles und ist durch seine schwach konische Form von dem etwa gleich großen A-Behälter leicht zu unterscheiden. Sein Rauminhalt beträgt 4,6 m3. Es können insgesamt 3800 kg B-Stoff getankt werden. Der Werkstoff ist eine Legierung von Aluminium und Magnesium und trägt die Bezeichnung Al-Mg 35.
 
Der A-Behälter dient zur Aufnahme des A-Stoffes. Er befundet sich direkt unterhalb des B-Behälters und besitzt einen zylindrischen Behälterschuß mit korbbodenförmig gepreßtem oberen und unteren Boden. Sein Rauminhalt beträgt 4.61 m3. Bis zum Überlauf können 4900 kg A-Stoff getankt werden. Die darüber hinaus getankte Flüssigkeitsmenge fließt durch das Belüftungsrohr über den Entlüfter ab. Der höchste Betriebsdruck des Behälters beträgt 2.3 atü, der Probedruck am Boden des Behälters 2.6 atü.

 

 

Durch das Mittelteil laufen folgende Leitungen: Steuerdruckleitung, Steuerdruckleitung für Stauventil, Steuerdruckleitung für B-Vorventil. Durch diese Leitungen wird den pneumatischen Ventilen und ihren elektromagnetischen Steuerventilen der Steuerdruck von ca. 30 atü zugeführt.

 


Gesteuert wurde die Rakete mit zwei kardanisch aufgehängten Hochgeschwindigkeitskreiseln, dem “Horizont” und dem “ Vertikant”. Diese hochempfindlichen Präzisionsgeräte wurden vor dem Start in Gang gesetzt.
 Zur Speisung der gesamten elektrischen Anlage während des Fluges dienten 30 - Volt - Akkus.
 

Der Mittelteil dient zur Aufnahme und Befestigung der Treibstoff-Behälter. Die Gerippekonstruktion übernimmt die Aufnahme der Schubkräfte. Gleichzeitig gibt die Verschalung dem Geräterumpf die erforderliche aerodynamische Verkleidung.
Der äußere Aufbau des Mittelteils besteht aus zwei Halbschalen, die durch je zwei Trennholme mit Sechskantschrauben verbunden sind. Am oberen und unteren Ende der Mittelverschalung befindet sich ein Trennspant zur Befestigung der Geräteraumspitze und des Hecks.

 

Der Antriebsblock dient zur Erzeugung der Schubkraft, mit der sich das Gerät durch den Raum treibt.
 
Der Antriebsblock enthält die Antriebsanlage des Gerätes. Er bildet durch die Verbindung des Heizbehälters mit dem Gerüst, dessen Ring mit den unteren Trennspanthälften der BehälterhaIbschaIen verschraubt ist, einen festen Block, in welchem die Einzelteile des Triebwerkes eingesetzt sind.
 
Das Triebwerk besteht aus:
Turbopumpe
T-Anlage
Heizbehälter mit Schubgerüst
P-Batterie
Rohrleitungen
Armaturen.